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Die Weiterentwicklung von der physischen zur digitalen Goldmünze

Die Währungsgeschichte zeigt unumwunden, dass Edelmetalle, insbesondere Gold und auch Silber, die bevorzugten Geldarten waren. Das hat einen Grund. Damit ein Gut als Geld verwendet werden kann, muss es einige Eigenschaften haben. Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen, haltbar, teilbar, prägbar, transportabel und allgemein wertgeschätzt, und es muss auch einen relativ hohen Wert pro Gewichtseinheit besitzen. Gold erfüllt all diese Anforderungen geradezu perfekt. Daher hat es sich im Wettbewerb um die Geldfunktion immer wieder durchgesetzt – nicht zuletzt natürlich auch deshalb, weil die Kaufkraft des Goldes sich nicht durch politische Willkür beeinflussen lässt.

„DIE SCHWANKUNGEN IM WELTPREISE DER EDELMETALLE SCHEINEN MIR GEGENWÄRTIG IMMER NOCH GERINGERE GEFAHREN IN SICH ZU SCHLIESSEN ALS DIE REGELUNG DES INNEREN TAUSCHWERTES DES GELDES DURCH REGIERUNGEN ODER SOZIALE UND POLITISCHE PARTEIEN.“ – Carl Menger, 1936, Schriften über Geldtheorie und Währungspolitik, S. 86 – 87.

Doch mittlerweile haben die großen Währungen der Welt – ob US-Dollar, Euro, japanischer Yen, chinesischer Renminbi, Britisches Pfund oder Schweizer Franken – keine Golddeckung mehr, beziehungsweise sie sind nicht mehr eintauschbar in das gelbe Metall. Das liegt daran, dass die Regierungen Anfang der 1970er Jahre die Goldeinlösepflicht ihrer Währungen abschafften und damit das Zeitalter des ungedeckten Papiergeldes eröffneten. Das ungedeckte Papiergeld ist jedoch alles andere als unproblematisch. Weil Regierungen und ihre Zentralbanken die Geldmengen unablässig ausweiten, verfällt die Kaufkraft des Geldes. Zudem sorgt die Ausgabe von ungedecktem Papiergeld für Wirtschaftsstörungen (Boom und Bust). Es bereichert einige auf Kosten vieler: Es sorgt für eine nicht marktkonforme Umverteilung von Einkommen und Vermögen. Vor allem aber lasst die Ausgabe von ungedecktem Papiergeld – die üblicherweise über Kreditvergabe erfolgt – die Verschuldung der Volkswirtschaften immer weiter anschwellen, führt letztlich eine Überschuldung herbei.

Angesichts der weltweit bereits aufgelaufenen Probleme, für die das ungedeckte Papiergeld gesorgt hat, hat das Nachdenken über alternative Geldarten längst begonnen. Das erklärt das Aufkommen des Bitcoin und anderer Cybereinheiten, die in Konkurrenz zu den heutigen ungedeckten Papierwährungen treten wollen. Die Technologie, die dem Bitcoin unterliegt – das ist die „Blockchain“ –, hat unter anderem das Potenzial, physisches Gold zu digitalisieren, es als Geld im Internet nutzbar zu machen. Der Bitcoin und seine Blockchain-Technologie können so zu einem „Transportmittel“ für physisches Gold aufsteigen.

Das bei Goldlagerstätten deponierte Gold wird für Zahlungen verfügbar gemacht. Umsätze werden im Internet – beispielsweise in Form von „Goldgramm“ – abgewickelt. Die Goldlagerstätten sorgen „im Hintergrund“ für den Zahlungsausgleich in physischer Form. So kann das Gold – das über Jahrtausende erprobte universell akzeptierte Tauschmittel –, bequem den Sprung in das digitale Zeitalter vollziehen: Es wäre gewissermaßen die Weiterentwicklung von der physischen zur digitalen Goldmünze.

 

von Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa

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