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Cook Islands Bounty: Ein Edelmetall-Geheimtipp fasziniert nicht nur Anleger mit Fernweh
Als die Bounty im Jahr 1788 nach Tahiti aufbrach, sollte das Schiff der britischen Admiralität eigentlich Brotbaum-Setzlinge in die Karibik liefern. Die Bedingungen an Bord sind – den damaligen Umständen entsprechend – widrig, über 40 Mann sind unter Deck zusammengepfercht. Die Enge sorgt für Konflikte, unter anderem zwischen Kapitän William Bligh und dem Zweiten Offizier Fletcher Christian. Es kommt zum Kräftemessen an Bord – die Hälfte der Besatzung schlägt sich auf die Seite von Fletcher. Christian übernimmt das Kommando, sein Vorgänger muss auf einem Beiboot in eine ungewisse Zukunft aufbrechen.

Die „Meuterei auf der Bounty“ wurde vielfach verfilmt, vertont und auf die Theaterbühne gebracht. Der Stoff rund um den Zwischenfall an Bord der HMS Bounty fasziniert noch heute, denn er hat alle Bestandteile eines Piratenkrimis. Und eines der bekanntesten Schiffe der Seefahrtsgeschichte stand sogar Pate für eine moderne Edelmetall-Anlagemünze: Die Cook-Inseln verewigen das Segelschiff auf der Wertseite ihrer Bullion-Münzen. Die „Bounty“-Prägungen zählen zu den wenigen Edelmetall-Motiven, welche nicht nur in Gold und Silber, sondern auch in Platin und Palladium hergestellt wurden.

Die „Bounty“-Münzen zählen zu den so genannten „Agenturausgaben“: Die Münzen weisen zwar alle Eigenschaften eines gesetzlichen Zahlungsmittels auf, haben ihr Heimatland jedoch nie gesehen. Seit der Erstausgabe der Bounty-Silbermünzen im Jahr 2009 erfolgte die Herstellung in Deutschland, seit 2014 wurde die Produktion wegen der Differenzbesteuerung ins Nicht-EU-Ausland verlegt, genauer gesagt in die USA. Bis zum Jahr 2015 erfolgte die Prägung mit einem matten Hintergrund, seit 2016 wurde die Fälschungssicherheit der Münzen deutlich erhöht: In den Hintergrund der Münze wurde ein Wellenmuster integriert, welches Fälschern das Leben schwer machen soll.

Dass ausgerechnet eine kleine Inselgruppe im Südpazifik ein legendäres Segelschiff als Motiv für eine Anlagemünze nutzt, ist viel mehr als „nur“ ein cleverer Marketing-Schachzug. Das Wrack der Bounty liegt heute vor der Küste der Pitcairn-Inseln. Dies entspricht zwar einer Entfernung von über 3.200 Kilometern, doch mehrere berühmte britische Seefahrer wie James Cook und William Bligh steuerten mehrfach die Inselgruppe an.

Zwar handelt es sich bei den Anlageprodukten der Cook Islands auf den ersten Blick um numismatische Exoten, die Bedeutung sollte allerdings nicht unterschätzt werden: Insbesondere im Bereich der Anlagemünzen aus Platin und Palladium sind die Bountys unverzichtbar, zudem haben die Cook-Inseln mit so genannten „Münzstangen“ den Silbermarkt aufgemischt. Dabei handelt es sich um längliche Münzen, welche durch einen Nennwert als Zahlungsmittel dienen und mit der niedrigen Mehrwertsteuer bis 2014 belegt wurden. Durch die Abschaffung dieses Steuerprivilegs werden die Münzstangen nicht mehr neu aufgelegt. Stattdessen machten die Cook-Inseln im Jahr 2019 mit einer neuen Silbermünze auf sich aufmerksam: Der „Silver Star“ zeigt einen Seestern und weist eine ähnliche Gestaltung wie sein Vorgänger auf.