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Seltene Sammlermünzen sind immer wieder für Rekorde gut, doch dass eine einzelne Münze die Marke von einer Million US-Dollar erreicht, ist ein seltenes Ereignis. Und wenn ein Geldstück ein Höchstgebot von 7,59 Millionen Dollar erzielt, dann kann dies nur teilweise mit der niedrigen Auflage oder prächtigen Erhaltung erklärt werden. Im Falle des Gold-Dollar aus dem Jahr 1933, der 2002 für die genannte Rekordsumme versteigert wurde, steckt dahinter ein spannendes Stück Weltgeschichte: Es soll sich nicht nur im Besitz von keinem Geringeren als König Faruk von Ägypten befunden haben, sondern auch um das einzige Exemplar handeln, welches die United States Mint auf legalem Wege verlassen hat.

Kurz nachdem die Prägung von 445.500 Exemplaren der beliebten Handelsgoldmünze „St. Gaudens Double Eagle“ in den USA für den Jahrgang 1933 abgeschlossen war, wurde die überraschende Entscheidung der US-Regierung bekannt, den privaten Goldbesitz zu verbieten. Durch die „Executive Order 6102“ wurden genau 445.487 Exemplare wieder eingeschmolzen. Die Pläne des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt sahen ursprünglich vor, bis auf zwei Exemplare alle Doppeladler des Jahres 1933 zu vernichten und die zwei verbliebenen Exemplare in die Nationale Münzsammlung der USA zu überführen.

Insgesamt 12 Exemplare wurden daraufhin von der US-Regierung zurückgehalten, von denen jedoch zehn Stück abhandenkamen. Eine der erhaltenen Münzen wurde im Jahr 1944 legal in die Sammlung des damaligen Königs Faruk überführt und 1997, als sie in den USA auftauchte, beschlagnahmt. Fünf Jahre später stand jedoch höchstrichterlich fest, dass es sich bei der Goldmünze nicht um einen Diebstahl aus der Münzprägestätte handelte.

Die überstürzte Vernichtungsaktion in der United States Mint rief – wie konnte es anders sein – geschäftstüchtige Gestalten auf den Plan. Ein Münzbeamter soll einzelne Exemplare gegen frühere Jahrgänge getauscht haben, ein Juwelier aus Philhadelphia verkaufte daraufhin neun Stücke der Münzen, die es eigentlich nicht mehr geben durfte. Über einen Zeitraum von acht Jahren jagte der United States Secret Service daraufhin die verbotenen Double Eagle aus dem Jahr 1933, das letzte Exemplar wurde erst 1952 aufgespürt und offiziell vernichtet. Das Gezerre um die Goldmünze aus der Sammlung des ägyptischen Königs ging sogar noch einige Jahrzehnte weiter: Das seltene Stück verschwand kurz vor der öffentlichen Versteigerung des Privatbesitzes des Königs und tauchte erst 1996 wieder auf. Die Münze wurde an die US-Regierung zurückgegeben.

Was dann passierte, gilt als einmaliger Vorgang in der Welt der Numismatik: Der Münzenhändler, welcher den Doppeladler aufgespürt hatte und zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saß, kam frei und erhielt bei der Versteigerung der Münze die Hälfte des Erlöses. Zuvor hatte die US-Regierung der Münze nachträglich die Eigenschaft eines legalen Zahlungsmittels verliehen und dafür die andere Hälfte des Auktionserlöses eingestrichen – zuzüglich eines Betrages von 20 US-Dollar als Gegenwert für den Nennwert, den die Münze durch den Verwaltungsakt des Finanzministeriums erhalten hatte.

Wer nicht das nötige Kleingeld hat, um sich den Jahrgang 1933 der Saint Gaudens Double Eagle Goldmünzen zu sichern, findet mit den vorherigen Ausgaben zwischen 1908 und 1932 reichlich Alternativen. Die meisten Jahrgänge wurden in hoher Millionenauflage geprägt. Den Namen hat ihre Münze vom Graveur Augustus Saint-Gaudens, der im Jahr 1907 auf Geheiß von President Theodore Roosevelt die amerikanischen Goldmünzen neu gestalten sollte. Saint-Gaudens wollte unbedingt ein Hochrelief verwenden, doch bei zahlreichen Prägeversuchen stellte sich diese Gestaltung als nicht umsetzbar heraus. Obwohl der Präsident höchstpersönlich das Hochrelief für gut befand, wurde es verworfen – doch der Doppeladler mit dem Bildnis der Lady Liberty sowie einem Weißkopfseeadler vor aufgehender Sonne zählt zu den schönsten Münzmotiven der Welt.