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Die Euro-Bankenkrise ist mit voller Wucht zurückgekehrt: Die Aktienkurse der Geldhäuser sind (wieder einmal) stark gefallen. Vor allem aber sind auch die Sorgen auf den Finanzmärkten markant angestiegen, dass die Geldhäuser ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten. Was steckt dahinter?

Es ist vermutlich nicht so sehr die kurzfristige Liquiditätslage der Banken, die den Anlegern Sorgen bereitet. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) kann die Banken, wenn es gewollt und notwendig ist, jederzeit mit neuen Krediten und Geldzuwendungen zahlungsfähig halten. Die eigentlichen Probleme der Banken dürften woanders liegen.

Es ist vermutlich die geringe Ertragskraft der Banken, die die Anleger verschreckt. In dem Niedrigzinsumfeld, für das die Notenbanken weltweit sorgen, schwinden die Verdienstmöglichkeiten der Banken zusehends. Gleichzeitig steigen ihre Kosten aufgrund von zum Beispiel immer weitreichender Regulierung. Die Folge sind sinkende Gewinne und eine nachlassende finanzielle Stärke.

Um das zu illustrieren, sei darauf hingewiesen, dass derzeit die Euro-Banken bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 0,46 handeln. Die Finanzmärkte gehen also davon aus, dass den Banken noch ganz erhebliche Verluste und Abschreibungen ins Haus stehen, die ihr ausgewiesenes Eigenkapital in ganz erheblichem Umfang aufzehren werden. Das wiederum wird Anleger abschrecken, den Banken neues Eigenkapital bereitzustellen.

Die Zentralbanken werden aller Voraussicht nach nicht zulassen, dass es zu Zahlungsausfällen im Euro-Bankenapparat kommt – und damit eine Situation entsteht wie beim Kollaps der US-Investment Bank Lehman Brothers im September 2008. Soll jedoch die Zahlungsfähigkeit der Euro-Banken sichergestellt werden, wird die EZB die Geldmenge sehr stark ausweiten müssen.

Goldpreis steigt

Die Probleme im Euro-Bankenapparat haben weltweite Auswirkungen. Zum einen weil die Bankenwelt eng miteinander vernetzt ist. Zum anderen weil der Euro-Bankenapparat mit einer Bilanzsumme von knapp 31.000 Mrd. Euro der größte weltweit ist. Die wachsende Unsicherheit im internationalen Finanzsystem hat nun auch die Goldnachfrage sichtbar belebt.

Der Goldpreis steht nun bei etwa 1.218 USD/oz – und hat damit seit Jahresanfang etwa 15 Prozent zugelegt. In Euro gerechnet hat der Goldpreis jetzt 1076 Euro/oz erreicht – ein Anstieg von etwa 10 Prozent. (Der Euro hat seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar aufgewertet.) Zum Vergleich: Der DAX hat von Anfang des Jahres bis heute etwa 18 Prozent eingebüßt.

Dass in der aktuellen Situation der Goldpreis in die Höhe steigt, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist das Gold nicht nur ein Schutz gegen die Entwertung des ungedeckten Papiergeldes durch Inflation. Es ist vor allem auch ein Schutz gegen Zahlungsausfälle, die nicht nur bei Unternehmensanleihen, sondern vor allem auch bei Bankeinlagen, Bankschuldverschreibungen und Staatsanleihen auftreten können.

Wenn die Zentralbanken auf die aktuellen Erschütterungen auf den Finanzmärkten – die natürlich auch negative Rückwirkungen auf die Konjunkturverläufe haben können – mit einer erneuten Ausweitung der Geldmengen reagieren (etwa indem sie noch mehr Staats- und Bankanleihen aufkaufen), liegt die Vermutung nahe, dass der Goldpreis noch weiter zulegen wird – sowohl in US-Dollar, insbesondere aber in Euro.

Mit freundlichen Grüßen

Thorsten Polleit

Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel Gmbh

thorsten.polleit@degussa-goldhandel.de