In Edelmetall und Wirtschaft Aktuell
Margin Calls und Papiergold: Warum langfristig nur reale Werte zählen

Von 13.800 auf 8.900 Punkte – wer hätte nach der Rekordjagd an den Finanzmärkten erwartet, dass der DAX innerhalb von kürzester Zeit rund 35 Prozent seines Allzeithochs verliert? Börsianer rund um den Globus sind in dieser Woche offenbar von der Realität eingeholt worden – die meisten Indizes der Welt haben nach historischen Verlusten einen Bärenmarkt erreicht. Die Sorge um die Folgen der Corona-Pandemie war hierbei nur einer von vielen Unsicherheitsfaktoren, welcher das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen brachte.

Verunsicherung hat sich zuletzt allerdings auch bei Edelmetall-Investoren verstärkt, die eigentlich die richtige Entscheidung getroffen und auf den sicheren Hafen „Gold“ gesetzt hatten.  Doch der Preisrückgang bei Gold hat dazu geführt, dass sich manche Anleger fragen, ob dieser Hafen wirklich sicher ist. Immerhin ist es nicht gelungen, die Marke von 1.700 US-Dollar nachhaltig zu überwinden – obwohl insbesondere die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank Fed den Goldpreis beflügelt hatte. Es wurde ganz nebenbei deutlich, dass die Notenbanken die Krise nicht mehr aufhalten können. Die Aktienkurse brachen etwa 30 Minuten nach der Notfall-Entscheidung der Fed wieder ein und auch die jüngste Zinsentscheidung der EZB sorgte für Ernüchterung.

Ein Blick auf die nüchternen Zahlen sollte allerdings deutlich machen, dass Gold seiner Funktion als Vermögensschutz weiterhin vollumfänglich gerecht wird. Mitte März 2020 notierte der Goldpreis mit fünf Prozent sowohl in Euro als auch in US-Dollar im Plus. Im gleichen Zeitraum hat der DAX etwa 30 Prozent seines Wertes eingebüßt. Noch dramatischer ist der Wertverlust beim Bitcoin: Im Vergleich zum Jahreshoch hat sich der Wert der Kryptowährung mehr als halbiert. Egal, wohin man schaut: Die meisten Börsen-Indizes der Welt befinden sich längst auf Bärenmarkt-Niveau.

Für die zwischenzeitlichen Schwächephasen, welche auch beim Goldpreis in den vergangenen Wochen wiederholt zu beobachten waren, gibt es zudem einen plausiblen Grund: viele Spekulanten waren aufgrund von so genannten „Margin Calls“ verpflichtet, zusätzliche Geldreserven bereit zu stellen, damit ihre verlustreichen Wetten auf steigende Kurse aufrecht erhalten werden konnten. Denn beim Handel an den Terminmärkten können Investoren ein Vielfaches ihrer tatsächlichen Finanzrücklagen einsetzen – es wird jedoch eine Mindesteinlage, der so genannte „Margin“, gefordert. Dieser beträgt allerdings nur einen Bruchteil der Investitionssumme und dient als Sicherheit.

Bei nüchterner Betrachtung wird schnell deutlich, wie fragil und gefährlich diese Form des Investments ist – doch seit vielen Jahren wird auf diese Weise der Preis für physisches Gold beeinflusst, auch wenn tatsächlich gar keine Münzen und Barren den Besitzer wechseln. Langfristig sind die Investoren, welche nicht auf Papiergold setzen, sondern auf reale Werte, im Vorteil: Sie halten im Krisenfall nicht ein wertloses Stück Papier in der Hand, sondern eine Ersatzwährung, welche seit über 5000 Jahren in aller Welt anerkannt ist und jede Krise überlebt hat.