In Edelmetall und Wirtschaft Aktuell
Degussa Silber

Auch nach dem „Short Squeeze“ sind die Prognosen für Silber glänzend.

Auf die Frage, was denn eigentlich Silber sei, würden tausende US-amerikanische Nutzer der Nachrichtenplattform „Reddit“ wohl antworten: „Ein Edelmetall, dessen Preis von Spekulanten künstlich gedrückt wird.“ Oder: „Eine willkommene Gelegenheit, um Hedgefonds an den Rand des Ruins zu bringen.“ Die erstaunliche Achterbahnfahrt des weißen Metalls in den vergangenen Tagen mit zweistelligen Wertzuwächsen am Montag und einem Absturz in ähnlicher Größenordnung am Dienstag hat dazu geführt, dass Silber in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt ist. Dabei ist Silber auch in ruhigen Zeiten einen näheren Blick wert.

Leicht formbar, elektrisch, kaum auflösbar.

Die chemischen Fakten rund um Silber sind vergleichsweise unspektakulär: Das Element mit dem Symbol „Ag“ (für „argentum“) steht im Periodensystem an Stelle 47. Silber gilt als weiches und besonders leicht formbares Metall, welches eine hohe elektrische Leitfähigkeit aufweist. Silber ist reaktionsträge und lässt sich nur mithilfe von oxidierenden Säuren auflösen. Die Oberfläche des Edelmetalls glänzt weißlich.

In Anbetracht des heutigen Preisverhältnisses zwischen Gold und Silber ist erstaunlich, dass Silber in der Menschheitsgeschichte zwischenzeitlich wertvoller als Gold war. Es hatte in früheren Zeiten den Beinamen „Mondmetall“ und wird seit rund 7.000 Jahren abgebaut. auch in Deutschland gab es zahlreiche Silbervorkommen. Bis ins 20. Jahrhundert war Silber ein weit verbreitetes Metall für Umlaufmünzen mit einem hohen Nominal. Spätestens seit den siebziger Jahren wurde Silber aber durch unedle Legierungen ersetzt. Zuvor sorgte Silber wie auch Gold für eine hohe Akzeptanz von Währungen, die im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr eingesetzt wurden.

Industriemetall mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Heutzutage ist Silber deutlich stärker als Gold primär als Industriemetall im Einsatz. Das weiße Metall wird nicht nur für die Herstellung von Schmuck verwendet, sondern ist auch in Zukunftstechnologien zu finden, beispielsweise in Leiterplatten. Auch in der Dentaltechnik ist Silber weit verbreitet. Und sogar in Textilien, die die antibakteriellen Eigenschaften des „Mondmetalls“ nutzen und Glasscheiben sowie anderen Oberflächen, welche das Licht reflektieren sollen, kommt Silber zum Einsatz. Durch diesen hohen Verbreitungsgrad von Silber in der Industrie ist der Silberpreis deutlich stärker als Gold anfällig für konjunkturelle Schwankungen. In den vergangenen Jahrzehnten hat Silber häufig den Goldpreis übertroffen, wenn die Produktion der verschiedenen Industrieregionen im Wachstum begriffen war, allerdings war auch das Potenzial größer, wenn die Wirtschaft unter Druck stand.

Gold und Silber als Geschwister im Edelmetallportfolio.

In Deutschland spielt Silber immer stärker eine Rolle als das „Edelmetall des kleinen Mannes“. Denn mit einem Verhältnis von 1:70 kostet eine Unze Silber nur einen Bruchteil der vergleichbaren Menge in Gold. Silber wird vor allem als konkreter Schutz vor möglichen Währungsturbulenzen verstanden, denn im Notfall gelten Silbermünzen als geeignetes Tauschmittel gegen Waren des täglichen Bedarfs. Und auch ohne derartige „Worst-Case“-Szenarien sollte Silber in keinem Edelmetall-Portfolio fehlen: Üblicherweise wird eine „80/20“-Formel propagiert, bei der etwa 80 Prozent des Edelmetallvermögens in Gold und 20 Prozent in Silber vorgehalten werden. Durch die Übergewichtung von Gold sollen allzu starke Preisschwankungen abgefedert werden. Die wichtigsten Bullionmünzen, darunter der Krügerrand und der Maple Leaf, sind auch in Silber zu bekommen.

Ein Investment mit Zukunft.

Für langfristig orientierte Investoren ist Silber vor allem ein Edelmetall mit großem Aufholpotential. Von seinem Rekordhoch bei rund 50 US-Dollar ist Silber noch weit entfernt und konnte bislang nicht an die Aufholjagd seines großen Bruders Gold anknüpfen. Die vergangenen Tage haben jedoch gezeigt, dass sich die Stimmung praktisch über Nacht ändern kann. Und auch wenn es zuletzt einen kleinen Rücksetzer bei Silber gegeben hat, sind sich die meisten Marktbeobachter einig: 2021 könnte das Jahr werden, in dem sich Silber zum neuen Investment-Superstar entwickelt.

Prof. Dr. Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel sieht in einem realistischen Szenario den wahrscheinlichen Zielkorridor für Silber bei 47 bis 50 US Dollar für die Feinunze. Damit verbliebe, unter dem Vorbehalt, dass sich die Weltwirtschaft weiterhin in einem Jahr der Pandemie und zahlreicher damit verbundener Unwägbarkeiten befindet, viel Spielraum für eine attraktive Kursentwicklung − Wertsicherung inklusive.

Short Squeeze Silber