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Rand-Goldmünzen aus Südafrika: Krügerrand-Vorläufer und Sovereign-Konkurrent

Bis zur Einführung des Krügerrand im Jahr 1967 und der Entwicklung der Unze zum Maß aller Dinge herrschte in der Welt des Edelmetall-Investments regelrecht Chaos: Wer sein Geld in Gold anlegen wollte, musste aus einer Fülle an historischen Handelsmünzen wählen – besonders weit verbreitet waren die Sovereign-Goldmünzen sowie die Dukaten und Kronen aus Österreich-Ungarn. Diese Münzen hatten jedoch einen entscheidenden Nachteil: Ihre krummen Gewichte sowie unterschiedlichen Feingehalte konnte sich kaum ein Anleger merken.

Bevor Südafrika mit dem Krügerrand die Edelmetall-Welt revolutionierte, experimentierte das rohstoffreiche Land mit einem Konkurrenzprodukt zum legendären Sovereign: Im Jahr 1961 erschien erstmals die Goldmünze mit einem Nennwert von zwei Rand, welche mit einem Durchmesser von 22 Millimetern, einem Feingewicht von 7,322 Gramm und einer Feinheit von 916/1000 Teilen Gold exakt den Spezifikationen des Sovereign aus Großbritannien entsprach.

Auch wenn sich die Zwei-Rand-Goldmünze als neuer Investment-Standard nicht durchsetzte, ebnete sie doch den Weg für die südafrikanische Investment-Legende, den Krügerrand: Auf der Wertseite der Münze ist die Springbock-Antilope zu sehen, welche im Jahr 1967 auch auf das Motiv der südafrikanischen Bullion-Goldmünzen übernommen wurde.

Während das grazile Tier bis heute als Symbol des modernen Edelmetall-Investments verstanden wird, ist das Motiv auf der Bildseite der Zwei-Rand-Goldmünze geradezu in Vergessenheit geraten: Eingerahmt von dem Motto „Eendrag maak mag“ und „Unity is strength“ (zu deutsch: „Einigkeit macht stark“) wird Jan van Riebeeck gezeigt. Der Niederländer war als Arzt in Asien tätig und leitete eine Expedition nach Südafrika. Bis 1662 war er erster Verwalter der Kapkolonie.

Offenbar galt Jan van Riebeeck bei der Entwicklung der Krügerrand-Goldmünze allerdings nicht als ausreichend prominent, sodass sich die Rand Refinery für Paul Kruger als neuer Symbolfigur entschied. Damit knüpfte die südafrikanische Prägestätte an eine Tradition an, welche bereits 1892 begründet wurde: Damals wurde Paul Kruger erstmals auf Goldmünzen mit Nennwerten von einem halben und einem ganzen „Pond“ abgebildet. Auch diese Münze wurde nach dem Vorbild der Sovereign-Goldmünze entwickelt, setzte sich im internationalen Handel jedoch nicht durch und wurde lediglich von 1892 bis 1900 geprägt.

Mit dem weltweiten Erfolg des Krügerrand hatte in den Sechziger und Siebziger Jahren wohl kaum jemand gerechnet – die Südafrikaner wurden vom Ansturm regelrecht überrollt. Und weil sich die Unze nach 1967 schnell zur führenden Maßeinheit auf dem Edelmetallmarkt entwickelte, gab es keine Notwendigkeit für die Rand Refinery mehr, eine kleine Handelsgoldmünze herzustellen. Aus diesem Grund wurden die Goldmünzen zu einem und zwei Rand letztmalig im Jahr 1981 geprägt.