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Wenn Baden-Württemberger nach Rumänien reisen, werden sie früher oder später auf einen berühmten Sohn aus der Heimat treffen: Karl Eitel Friedrich Zephyrinus Ludwig von Hohenzollern-Sigmaringen thront stolz zu Pferde vor der Universitätsbibliothek und auch Parks, Straßen und Plätze wurden nach ihm benannt – allerdings ist auf den Schildern nicht sein deutscher Name zu lesen, der Monarch ist stattdessen als „Carol I.“ bekannt. Und der Deutsche genießt bis heute große Sympathien in Rumänien, obwohl die Hohenzollern zum deutschen Kaiserhaus gehörten.

Wie viele seiner Amtskollegen, welche im 19. Jahrhundert aus dem europäischen Adel im Ausland zu Ämtern und Würden gelangten, war auch Karl ein königlicher Hilfsarbeiter: Als das junge Fürstentum Rumänien im Jahr 1866 in eine veritable Regierungskrise stürzte und der Staatsgründer Cuza abdanken musste, begab sich eine Übergangsregierung auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Der Wunschkandidat Philipp von Flandern, seines Zeichens Bruder des belgischen Königs Leopold II., sagte aber ab. Napoléon III. höchstpersönlich soll sich daraufhin für Karl von Hohenzollern-Sigmaringen eingesetzt haben. Nach einer Volksabstimmung konnte Karl daraufhin am 22. Mai 1866 die Amtsgeschäfte in Bukarest übernehmen.

Die erste große staatspolitische Prüfung hatte der Fürst im Jahr 1878 zu bestehen, als Rumänien an der Seite des Russischen Reiches gegen das Osmanische Reich kämpfte und im Zuge des Berliner Kongresses die Unabhängigkeit erhielt. Durch die Umwandlung des Fürstentums zum Königreich Rumänien wurde Karl daraufhin als Carol I. erster rumänischer König. Karl trieb daraufhin innenpolitische Reformen voran und orientierte sich dabei häufig an Preußen – beispielsweise bei der Armee, dem Bildungswesen sowie der Infrastruktur. Auch in der Außenpolitik suchte Karl die Nähe zu den deutschsprachigen Nationalstaaten.

Obwohl Rumänien kein offizielles Mitglied der Lateinischen Münzunion war, bemühte sich Karl noch zu Zeiten des Fürstentums Rumänien um eine Anbindung des rumänischen Münzwesens an die Standards der LMU – immerhin trieb Rumänien damals intensiven Handel vor allem mit Frankreich. So wurden erstmals im Jahr 1868 goldene Münzen mit dem Konterfei von Karl zu 20 Lei geprägt. Seine Eigenschaft als Fürst ist auf den Münzen in Form der rumänischen Begriffe „DOMNULÛ ROMÂNILORÛ“ vermerkt, die Goldmünzen des Fürstentums sind allerdings extrem selten. Weit verbreitet ist hingegen die Goldmünze zu 20 Lei mit Karl als „REGE AL ROMANIEI“ aus den Jahren 1883 (Auflage: 185.290) und 1890 (Auflage: 196.000). Im Jahr 1906 wurden Münzen zu 20, 25, 50 und 100 Lei anlässlich des 40. Regierungsjubiläums ausgegeben.

Nachdem der erste rumänische König bis zu seinem Tod im Jahr 1914 großes Ansehen in der Bevölkerung erworben hatte, übernahm sein Neffe Ferdinand die Regierungsgeschäfte in Bukarest und setzte damit die Regentschaft des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen über Rumänien fort. Bereits frühzeitig wurde Ferdinand auf seine künftige Rolle vorbereitet und zog bereits 1889 nach Rumänien, nachdem er sein Studium in Deutschland abgeschlossen hatte. Große Beliebtheit erlangte Ferdinand nicht nur durch sein Versprechen, als „ein guter Rumäne regieren“ zu wollen, sondern auch durch seine Entscheidung, gegen Deutschland im ersten Weltkrieg an der Seite der Entente zu kämpfen.

Als Ferdinand im Jahr 1927 starb, stand Rumänien erneut vor der Suche nach einem geeigneten Staatsoberhaupt – denn sein Sohn galt wegen einer Affäre als nicht tragfähig. Es wurde eine Alternative gefunden, die aus heutiger Sicht noch weniger stabil erscheint: Michael, Enkel des verstorbenen Ferdinand, wurde im Alter von fünf Jahren zum König von Griechenland proklamiert und unter Vormundschaft des Onkels Prinz Nikolaus sowie eines Regentschaftsrates gestellt. Aus der Regierungszeit von König Michael stammt die vorläufig letzte Goldprägung („Ardealul nostru“) nach den Regularien der Lateinischen Münzunion, sie würdigte im Jahr 1944 mit den Abmessungen einer 20-Lei-Münze die Eingliederung Siebenbürgens.