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Hoch oben auf der europäischen Landkarte, ganz weit links in der Ecke, liegt ein Flecken Erde, welcher politisch und touristisch bis heute einen Exotenstatus hat: Island ist hierzulande vor allem wegen seiner Geysire und Vulkane sowie Elfen und Trolle bekannt. Auch in numismatischer Hinsicht ist Island ein weißer Fleck auf der Landkarte: Es gibt kaum ein Land auf dem europäischen Kontinent, welches so restriktiv bei der Herausgabe von Gedenkmünzen vorgeht wie die kleine Insel im Atlantik. Nur eine Handvoll Gedenkmünzen wurde seit 1961 herausgegeben, der letzte offizielle Kursmünzensatz datiert aus dem Jahr 2000.

Die isländische Geschichte und Kultur böte durchaus reichlich Themen für ein ausgiebiges Prägeprogramm, doch bis heute wurden nur ausgewählte Ereignisse und Persönlichkeiten auf Münzen aus Island gewürdigt. Besonders auffällig: Bis heute wurden nur drei verschiedene Gedenkmünzen aus Gold herausgegeben. Diese haben in den vergangenen Jahren allerdings massive Wertzuwächse erfahren, denn Island wird insbesondere in Deutschland als Touristen-Geheimtipp immer beliebter und viele Münzenfreunde möchten eine numismatische Erinnerung von der Insel mitbringen.

Den Auftakt des isländischen Prägeprogramms der Moderne macht eine 500-Kronen-Goldmünze aus dem Jahr 1961. Sie zeigt das isländische Staatswappen sowie ein Portrait von Jon Sigurdsson. Der isländische Politiker, Historiker und Philologe begegnet Island-Touristen überall auf der Insel, er gilt als Vater des modernen Island und als Vorkämpfer für die Loslösung von Dänemark. Sein Geburtstag ist gleichzeitig der Nationalfeiertag des Landes. Mit nur 10.000 Exemplaren ist diese Goldmünze äußerst selten und wird deutlich über dem reinen Goldwert gehandelt.

Die nächste Goldmünze folgte unglaubliche 13 Jahre später: Im Jahr 1974 würdigte Island das 1100-jährige Bestehen der ersten Siedlungen auf der Insel. Auf der Goldmünze zu 10.000 Kronen ist ein Seefahrermotiv zu sehen, darauf segelt Ingulfur Arnason auf einem Wikingerschiff und bereitet sich darauf vor, von Bord zu gehen. Die Münze  wurde in Kopenhagen geprägt und weist einen Goldanteil von 900 Teilen sowie ein Gewicht von 15,5 Gramm auf. Von dieser Prägung sind nur 12.000 Stück in unzirkulierter Qualität und 8.000 Stück in „Polierte Platte“ geprägt worden.

Seit dem Jahr 2000, als eine weitere Goldmünze zu Ehren der Christianisierung der Insel herausgegeben wurde, hat Island in numismatischer Hinsicht nichts mehr von sich hören lassen. Zuvor gab es einzelne Silbermünzen, doch seit 1930 gab es insgesamt nur zehn verschiedene Gedenkmünzen-Motive aus Island. Die Zurückhaltung liegt wohl teilweise in der frühzeitigen Hinwendung der Isländer zum bargeldlosen Zahlungsverkehr begründet. Zudem verfügte Island aufgrund der langjährigen Anbindung an Dänemark über keine eigene Münzprägestätte. Die Umlaufmünzen wurden zuletzt bei der Royal Mint im britischen Wales geprägt.

Die isländische Währung blickt hingegen auf eine lange Geschichte zurück: Eingeführt wurde sie ursprünglich im Jahr 1874 in Form der Dänischen Krone, nach dem ersten Weltkrieg und der isländischen Autonomie von Dänemark wurden erstmals 1922 isländische Kronen-Münzen geprägt mit der Währungseinheit „Aurar“ (ähnlich der dänischen „Öre“). Es folgte eine massive Abwertung gegenüber der dänischen Krone sowie eine Bindung an das britische Pfund bis 1939. Im Jahr 1944 erklärte sich Island von Dänemark unabhängig, sodass auch das Signet des dänischen Königs von den isländischen Umlaufmünzen verschwand. Nach einer hohen Inflation kam es im Jahr 1981 zu einer Wiederauflage der Krone und einem Umtausch von 100 alten in eine neue Krone.

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