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Der Goldpreis hat am 7. März 2016 1.275 US-Dollar pro Feinunze erreicht, ein Anstieg seit Jahresanfang von knapp 20 Prozent. In Euro gerechnet betrug der Anstieg seit Jahresanfang gut 18 Prozent.

Es ist vermutlich das Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Risikofaktoren, das derzeit den Preis für das gelbe Metall in die Höhe befördert:

  • Anleger und Investoren sorgen sich wieder verstärkt vor Kreditausfällen – insbesondere aufgrund der Probleme, die viele Euro-Banken haben –, wie sich in den steigenden Preisen für Kreditausfallversicherungen zeigt.
  • Die Zeichen verdichten sich, dass es auf absehbare Zeit keine „Zinswende“ geben wird, dass die Zinsen also nicht mehr auf „normale“ Niveaus zurückkehren werden, weder in den Vereinigten Staaten von Amerika, schon gar nicht im Euroraum.
  • Im Euroraum ist vielmehr damit zu rechnen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagenzins, den sie Banken in Rechnung stellt, noch weiter in den Negativbereich absenkt. Über kurz oder lang wird es auch einen Strafzins für Bankguthaben geben.
  • Die Unsicherheiten über den Fortgang der Europäischen Union und damit letztlich auch der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität im Euroraum haben – nicht zuletzt auch wegen der ungelösten Flüchtlingskrise – erheblich zugenommen.
  • Die Zentralbanken – allen voran die EZB – werden die Geldmengen noch weiter ausweiten, um Zahlungsausfälle zu verhindern und die Konjunkturen in Gang zu halten; die Geldschwemme wird sich also wohl noch verschärfen.

Diese (und weitere) Risiken resultieren aus den Unwägbarkeiten, für die das internationale Kredit- und Geldsystem sorgt: Ein System, in dem immer mehr neues Geld durch Kreditvergabe sprichwörtlich „aus dem Nichts“ in Umlauf gebracht wird, und das unweigerlich Wirtschaftsstörungen heraufbeschwört.

Vor diesem Hintergrund ist die wieder anziehende Goldnachfrage nur zu verständlich (und eigentlich auch „überfällig): Gold ist nicht nur eine Versicherung gegen Kaufkraftschwund, es versichert auch gegen Zahlungsausfälle.

Gold ist das „ultimative Zahlungsmittel“: Auch in Extremsituation wird es, anders als die ungedeckten Währungen, seine Kaufkraft behalten. Anleger und Investoren haben also gute Gründe, Gold (als Teil ihrer liquiden Mittel) wieder verstärkt nachfragen.

Unsere Einschätzung ist, dass das Gold nach wie vor nicht „zu teuer“ ist, weder in US-Dollar noch in Euro – und dass die internationale finanzielle und wirtschaftliche Risikolage einen weitergehenden Goldpreisanstieg recht wahrscheinlich macht.

Thorsten Polleit

Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel Gmbh

thorsten.polleit@degussa-goldhandel.de

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