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Flauschiges Haar, pralle Pauspacken, eine knubbelige Nase – das Kleinkind würde wohl in jeder Babygalerie in der Tageszeitung für Aufmerksamkeit sorgen. Bei dem Bildnis des kleinen Jungen handelt es sich nicht um ein Foto, sondern um eine detailverliebte Gravur auf einer Goldmünze aus dem 19. Jahrhundert, welche in Spanien millionenfach im Umlauf war.

Die Münzgestalter standen kurz vor der Jahrhundertwende in Spanien vor einer besonderen Herausforderung: Erstmals sollten seit der Einführung der „Peseta“ als Nachfolgewährung des „Real“ im Jahr 1887 neue Goldmünzen mit dem Bildnis des frischgebackenen Herrschers geprägt werden – doch König Alfonso war zu diesem Zeitpunkt gerademal ein Jahr alt.

Das Staatsoberhaupt von Spanien erblickte am 17. Mai 1886 das Licht der Welt – und ab seinem ersten Atemzug war Alfonso León Fernando María Jaime Isidro Pascual Antonio de Borbón y Austria-Lorena als Alfonso XIII. der rechtmäßige König der Spanier. Sein Vater Alfonso XII. war bereits im November des Vorjahres verstorben, seine hochschwangere Gemahlin Maria Christina von Österreich übernahm bis zur Geburt ihres Sohnes die Amtsgeschäfte und nahm diese Funktion auch bis ins Jahr 1902 hinein wahr, als Alfonso XIII. das Alter von 16 Jahren erreicht hatte und die Regentschaft übernehmen durfte.

Doch bereits zuvor konnten die Spanier ihren König jeden Tag im Portemonnaie betrachten und ihm sozusagen beim Heranwachsen zuschauen: Das erste Portrait zeigt den König als Baby und wurde zwischen 1887 und 1890 geprägt – während der Jahrgang 1887 extrem selten ist, wurden im Jahr 1889 insgesamt rund 875.000 Stück und 1890 knapp 2,3 Millionen Goldmünzen mit dem Konterfei des Kleinkind-Königs für den Umlauf geprägt. 1892 folgte das zweite Portrait mit Alfonso im Grundschulalter (Auflage ca. 2,4 Millionen Exemplare) und 1896 wurde das Portrait des nunmehr jugendlichen Königs erneut aktualisiert. Im Jahr 1904 folgte dann die letzte Goldmünze mit dem Konterfei des volljährigen Monarchen.Spanien war kein offizielles Mitglied der Lateinischen Münzunion, doch das Land prägte zwischen 1869 und bis in das Jahr 1934 hinein seine Münzen nach den Vorgaben der LMU.

Münzen sind faszinierende zeitgeschichtliche Dokument und sie verdeutlichen nicht nur politischen oder gesellschaftlichen Wandel, sondern auch den Zahn der Zeit, der selbst vor gekrönten Häuptern nicht Halt macht – das verdeutlichen die Goldmünzen aus Spanien in eindrucksvoller Weise. Doch mit dem Gold-Glanz der spanischen Umlaufmünzen, die infolge der Aufhebung des Goldstandards im Jahr 1904 letztmalig mit einer Mini-Auflage von nur 3815 Stück geprägt wurden, verging auch der Glanz von König Alfonso XIII.

Dem Herrscher gelang es nicht, die nötigen politischen Reformen in Spanien durchzusetzen. Die Zwanziger Jahre waren Spanien von politischen Unruhen geprägt, nach einer mehrjährigen Militärdiktatur unter General Primo de Rivera wurde im Jahr 1931 die Republik ausgerufen – und Alfonso ging ins Exil, wo er nachträglich für abgesetzt erklärt wurde. Zudem verlor er jegliche Rechte als früherer König.