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Goldmünzen aus Italien: Der berühmteste Bartträger des 19. Jahrhunderts
Die Münzgraveure hatten in vergangenen Zeiten wenig Gestaltungsspielraum: Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Herrscher möglichst naturgetreu auf Münzen abgebildet. Der Kopf im Zentrum, der Körper unterhalb des Halses unsichtbar, die Frisur möglichst unauffällig – sogar die Blickrichtung der gekrönten Häupter war festgelegt. Allzu modische Extravaganzen wie Bärte wurden so unauffällig wie möglich ins Münzbild gesetzt und gelegentlich sogar entfernt – dies war bei einem besonderen Staatsoberhaupt aus dem 19. Jahrhundert jedoch so gut wie unmöglich.

Vittorio Emanuele II. von Italien war überzeugter Bartträger, der sich mit seinem fein säuberlich gezwirbelten Mundschmuck auch auf Gemälden verewigen ließ. Eine Spitze nach links, eine nach rechts und eine nach unten – was der König im Gesicht trug, hatte durchaus einen künstlerischen Wert und wurde von den Stempelstechern akkurat auf die Goldmünzen und Silbermünzen des jungen Königreichs Italien.

Die Haarpracht von König Viktor Emanuel II. (so sein deutscher Name) ist allerdings nicht mehr als eine historische Randnotiz wert, der Monarch verdient auch wegen seiner Rolle in der Geschichte des Landes einen näheren Blick. Als Vittorio Emanuele am 17. März 1861 zum König von Italien gekrönt wurde, hatte er bereits 12 Dienstjahre als König des Vorgänger-Staates Sardinien-Piemont auf dem Buckel. Er gilt als zentrale Figur der italienischen Einigungsbewegung, die als „Risorgimento“ bezeichnet wurde.

Als Vittorio Emanuele im Jahr 1949 zum König von Sardinien-Piemont ernannt wurde, bestand das Territorium des heutigen Italiens (wie viele andere europäische Nationalstaaten) aus einem Flickenteppich an kleinen Fürstentümern, darunter das Großherzogtum Toskana und die Herzogtümer Modena sowie Parma. Doch der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn hatte kein Interesse an einem starken Nachbarn im Mittelmeerraum. Der König von Sardinien-Piemont suchte also den Schulterschluss mit Frankreich und schloss einen Geheimvertrag ab. Im Sardinischen Krieg kam es daraufhin zum Showdown zwischen den italienischen und österreichischen Truppen – und Vittorio Emanuele ging als großer Sieger hervor.

Der Sieg sorgte nicht nur dafür, dass Vittorio Emanuele für viele Italiener zum Urvater des modernen italienischen Nationalstaates in Form eines vereinigten Königreiches wurde. Sardinien-Piemont wurde daraufhin endgültig zur vorherrschenden Macht auf der Apenninenhalbinsel. Doch der König hatte noch nicht genug und zettelte weitere Unabhängigkeitskriege an, um die fehlenden Territorien wie beispielsweise Venetien anzugliedern. Mit der Annexion des Kirchenstaates im Jahr 1870 hatte Vittorio Emanuele ein Jahrzehnt voller Waffengänge hinter sich. Der Preis war hoch, doch der „Padre della Patria“ (Vater des Vaterlandes) hatte sein Ziel erreicht.

Zum Verhängnis wurde Viktor Emanuel eine seiner Leidenschaften: Der passionierte Jäger ließ es sich nicht nehmen, auch in der kalten Jahreszeit auf die Pirsch zu gehen. Seine Ärzte rieten ihm wegen eines Lungenleidens von nächtlichen Jagdtouren in eisiger Kälte ab, doch der König hörte nicht auf sie. Eine verschleppte Erkältung entwickelte sich über einen Monat hinweg zu einem fatalen Schüttelfrost, an dem Viktor Emanuel II. im Alter von nur 57 Jahren verstarb. Sein Name ist dennoch an vielen Orten in Italien präsent, beispielsweise das Nationaldenkmal „Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II“ im Herzen von Rom, das aufgrund seiner Form auch humorvoll als „Schreibmaschine“ bezeichnet wird. Sein Nachfolger Umberto regierte von 1878 bis 1900 und ist ebenfalls auf historischen Goldmünzen abgebildet. Daneben sind im Degussa-Onlineshop noch zahlreiche weitere Goldmünzen aus Italien zu bekommen.

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