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Platin: Steht das vergessene Edelmetall vor einem fulminanten Comeback?

Platin war lange Zeit die „Nummer Drei“ der Edelmetalle nach Gold und Silber: Besonders als Alternative für Frischvermählte beim Kauf eines Trauringes war Platin begehrt. Doch inzwischen, so scheint es, ist Platin zum schwarzen Schaf der Edelmetalle geworden –  ganz so wie vor hunderten Jahren, als Platin nichts weiter als ein Abfallprodukt war – in den spanischen Kolonien warfen die Goldschürfer bei ihrer Arbeit das Platin in die Flüsse zurück, weil sie dafür keine Verwendung hatten. Zudem hatten die Menschen damals noch Schwierigkeiten, Platin und Silber auseinanderzuhalten – die ähnliche Farbe soll dazu geführt haben, dass bei der Entdeckung Amerikas immer wieder Platin mit Silber verwechselt wurde.

Heutzutage wird Platin nicht von Silber, sondern von einem anderen Weißmetall verdrängt: Palladium stiehlt seinem „Bruder“ aus der Gruppe der Platinmetalle die Show. Dies lässt sich besonders eindrucksvoll an der Wertentwicklung ablesen: In den letzten fünf Jahren hat Platin etwa 30 Prozent seines Wertes verloren und damit deutlich größere Wertverluste eingefahren als Silber (minus 20 Prozent), Palladium hat dagegen im gleichen Zeitraum um satte 76 Prozent zugelegt. Inzwischen liegt die Notierung von Palladium sogar über dem Preis für Platin – verschwindet Platin also früher oder später vom Edelmetallmarkt?

Es gibt durchaus gute Argumente, die gegen einen Abgesang auf Platin sprechen. So hat das weiße Metall allein von Oktober bis November 2018 einen Wertzuwachs von knapp 7 Prozent in Euro hingelegt und arbeitet an einem Comeback. Anfang November 2018 stand Platin bei etwa 760 Euro pro Feinunze und hat sein Zehn-Jahres-Tief bei knapp unter 600 Euro bereits wieder weit hinter sich gelassen. Bis zum Hoch bei 1.376,80 Euro ist noch ein langer Weg, doch der Absturz des Platinpreises scheint gestoppt.

Und vielleicht ist ausgerechnet der Höhenflug des Platin-Konkurrenten Palladium eine gute Ausgangsbasis für ein Comeback von Platin – denn Palladium ist inzwischen deutlich teurer als Platin und wurde in der Vergangenheit als Platin-Alternative verstanden, doch der Preisvorteil von Palladium gegenüber Platin hat sich inzwischen in Luft aufgelöst. Zudem kommt Platin (genauso wie Palladium) bei der Herstellung von Fahrzeugkatalysatoren zum Einsatz. Etwa die Hälfte des weltweiten Platin-Angebots wird von der Autoindustrie nachgefragt – und dieser Industriezweig boomt trotz Diesel-Skandalen.

Für Edelmetall-Anleger spielt Platin seit jeher eine untergeordnete Rolle, denn die Produktpalette für dieses Metall ist überschaubar. Zwar gibt es entsprechende Platinbarren zu einer Unze sowie 100 Gramm und anderen gängigen Stückelungen, doch beim Kauf von Platin schlägt die volle Mehrwertsteuer von 19 Prozent zu Buche. Auffällig ist jedoch, dass ausgerechnet während der Platin-Schwäche viele Prägestätten ihr Bullion-Sortiment um Platinmünzen erweitert haben, darunter die Münze Österreich mit ihrem Wiener Philharmoniker oder die Royal Mint mit der Britannia. Diese und andere Produzenten haben offenbar eine Nachfrage erkannt und ermöglichen mit ihren Bullionmünzen auch Platin-Fans einen unkomplizierten Einstieg.

Die massiven Schwankungen nach oben sowie nach unten machen deutlich, dass Platin nichts für schwache Nerven ist – es handelt sich dabei aber insbesondere nach den Wertverlusten der vergangenen Jahre um eine spannende Alternative zu dem inzwischen recht sportlich bewerteten Palladium. Und während ein konservatives Edelmetalldepot zu etwa 80 Prozent aus Gold und bis zu 20 Prozent aus Silber bestehen sollte, können chancenorientierte Anleger mit einer leicht erhöhten Risikobereitschaft auch in geringem Umfang auf Platin setzen – und über das Zollfreilager von Degussa besteht sogar die Möglichkeit, 100 Gramm Platinbarren völlig mehrwertsteuerfrei zu handeln.