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Der Sozialismus mag in der Sowjetunion gescheitert sein, doch die Symbole von damals funktionieren bis heute und bedürfen keiner Erklärung: Meist sind Hammer und Sichel zu sehen, daneben tüchtige Feldarbeiter oder Handwerker. Auf russischen Goldmünzen aus dem Jahr 1923 ist ein starker und stämmiger Bauer zu sehen, der stolz die Saat ausbringt, im Hintergrund rauchen die Schornsteine der Fabriken, die aufgehende Sonne weist in eine strahlende Zukunft – doch was danach kam, ist Geschichte: Weltkrieg und Kalter Krieg, Planwirtschaft und Mangelwirtschaft. Und der Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs.

Wenige Jahre vor der Erstprägung der so genannten „Tscherwonetz“-Goldmünzen, kurz nach dem ersten Weltkrieg, versank nicht nur das besiegte Deutsche Reich im Chaos. Auch andere Nationen auf dem europäischen Kontinent mussten sich neu erfinden – darunter auch Russland. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreichs war auch das Ende des Rubel als Währung gekommen. Die kommunistische Partei wollte mit dem „Sowsnak“ eine eigene Umrechnungseinheit (eigentlich handelte es sich hierbei um Schatzanweisungen) einführen, doch wie kurz darauf die Weimarer Republik mussten die Sowjets ihre Staatsfinanzen mit der Notenpresse sanieren.

Die daraus resultierende Inflation sorgte dafür, dass niemand die russischen Schatzanweisungen akzeptierte und bereits 1921 eine neue Währung eingeführt wurde – mit einem gravierenden Unterschied: Der „Tscherwonetz“ war zu 25 Prozent mit Gold gedeckt. Mit diesem Begriff wurden damals nicht nur westliche Goldmünzen oder allgemein Goldmünzen mit rötlicher Färbung sowie Banknoten mit zehn Währungseinheiten bezeichnet, sondern auch eine Goldmünze, welche erstmals 1923 geprägt und zwischen 1975 und 1982 neu aufgelegt wurde.

Mit der Gestaltung der Goldmünze wollten die neuen Machthaber im russischen Riesenreich ein Zeichen setzen: Die alten Zeichen der Herrscher, also vor allem der Adler mit Doppelkopf sowie die Insignieren der Zaren (Krone, Zepter Reichsapfel) mussten verschwinden. Der breitbeinige Bauer, der unermüdlich die Felder bestellt und seinen kleinen Betrag zum großen Ganzen liefert, passt exakt in die Staatsdoktrin des Sozialistischen Realismus, der auf zahlreichen späteren Münzen, Briefmarken und Postkarten inszeniert wurde.

Ganz so romantisch und heroisch, wie auf den Tscherwonetz-Goldmünzen und anderen Umlaufmünzen in damaliger Zeit abgebildet, entwickelte sich der Sozialismus in der Sowjetunion jedoch bekanntlich nicht – dies war auch an der Münzprägung ablesbar: Der Staat konnte sich Münzen aus Gold und Silber schon bald nicht mehr leisten. Der Tscherwonetz wurde nach 1923 nicht mehr geprägt und das Silbergeld wurde ab 1931 durch Nickel ersetzt. Die meisten der „Tscherwonzen“ landeten im Ausland, wo Russland seine Rechnungen bezahlen musste und Papiergeld nach den Inflations-Exzessen der Vorjahre nicht mehr gern gesehen war. Und ab 1975 prägte die Sowjetunion den Tscherwonetz erneut – die Goldmünzen sollten abermals als Devisenbringer ins Ausland verkauft werden. Sie wurden von vielen Gold-Anlegern und Münzen-Freunden als russische Bullionmünzen verstanden – und sind so beliebt wie die modernen Münzen aus Gold, Silber, Platin und Palladium, die bis heute in Russland geprägt werden.