
Die Welt der Edelmetalle
Buchstäblich seit Jahrtausenden begleiten Edelmetalle die Menschheit durch Höhen und Tiefen. Anfangs waren es Gold und Silber, die das Interesse der frühen Hochkulturen weckten. Schon damals waren die beiden Metalle Symbol für Seltenheit, Wertbeständigkeit und Schönheit.
Die erste Verwendung lag im dekorativen Bereich, vor allem in Form von Schmuck. Aber schon lange vor der Zeitenwende wurden erste Münzen aus Gold geprägt, basierten erste Währungssysteme auf den seltenen und nicht künstlich vermehrbaren Metallen.
Ihre Funktion behielten Gold und Silber dann durch die Zeiten bis in die Moderne, und obwohl Edelmetalle seit rund 40 Jahren keine offizielle Rolle im Weltwährungssystem mehr spielen, sind sie bei Investoren wie auch bei Zentralbanken wieder stark nachgefragt.
Gold
Knapp 170.000 Tonnen Gold wurden in den letzten 5.000 Jahren von den Menschen auf der ganzen Welt gefördert. Davon sind nur wenige Prozent im Laufe dieser vielen Jahre verloren gegangen.
Was auf den ersten Blick wie eine große Zahl wirkt, ist eigentlich eine verschwindend kleine Menge: Sie würde ohne Probleme unter das Brandenburger Tor passen. Allerdings wäre ein solcher Goldwürfel unter dem Wahrzeichen Berlins nicht nur schwer, sondern auch teuer: Der Gesamtwert der weltweiten Goldvorräte beträgt immerhin 6,6 Billionen Euro. Umgerechnet auf jeden Erdenbürger sind dies aber nicht einmal 25 Gramm mit einem Wert von 950 Euro.
Und diese Goldmenge steht nicht zur freien Verfügung: Der größte Teil davon, etwas 2/3, ist in Form von Schmuck gebunden, und rund 30.000 Tonnen liegen in den Kellern der Zentralbanken. Diese haben in den letzten Jahren ihr Verhalten um 180 Grad gedreht: Nachdem viele Zentralbanken nach der Aufhebung der Bindung des Dollars an das Gold in den letzten 40 Jahren Teile ihrer Vorräte verkauft haben, ist jetzt seit einigen Jahren eine Gegenbewegung zu verzeichnen. Seit 2010 sind die Zentralbanken wieder Netto-Goldkäufer und diese Entwicklung scheint sich aktuell sogar noch immer mehr zu beschleunigen.
Neben den Zentralbanken haben auch andere Gruppen das Gold als Investment wieder entdeckt: In Zeiten eines scheinbar grenzenlosen staatlichen Schuldenmachens in vielen westlichen Industrieländern, eines gleichzeitig - im übertragenen Sinne - fast unlimitierten Gelddruckens durch die Zentralbanken und im Angesicht von Währungs- und Finanzmarktkrisen, die sich immer häufiger zu ereignen scheinen, fragen auch private und institutionelle Investoren Gold immer stärker nach. Eigentlich schon seit 2001, besonders aber seit der Finanzkrise 2008, wird von den Anlegern dabei verstärkt auch physisches Gold als Versicherungspolice für das eigene Portfolio betrachtet.
Die steigende Nachfrage von unterschiedlichen Seiten bei gleichzeitig nur verhalten ansteigender Neuproduktion (sie beträgt ca. 2.650 Tonnen pro Jahr) führte in den letzten Jahren zu deutlichen Wertsteigerungen. Im September 2011 stieg der Preis auf ein vorläufiges Allzeithoch von $ 1.920 je Unze, bevor er wieder leicht zurückfiel.
Silber
Das weiße Metall ist in den letzten Jahren ebenfalls deutlich im Wert gestiegen. Es profitiert dabei von einer Zwitterrolle, die das Gold so nicht hat, nämlich davon, dass es zum einen als Investmentmetall angesehen wird, zum anderen, dass ein erheblicher Teil der jährlichen Neuproduktion, die bei etwa 21.000 Tonnen liegt, für industrielle Zwecke benötigt wird. Dabei sind die Elektro-, Elektronik- und die Schmuckindustrie die größten Anwender. In den letzten Jahren kam auch noch die Photovoltaikindustrie neu hinzu, die 2011 bis zu 2.000 Tonnen Silber verwenden wird.
Dem Silberpreis brachte dies in den vergangenen Jahren erhebliche Gewinne, und er erreichte 2011 zeitweise fast wieder das bisherige Allzeithoch von 1980.
Platin und Palladium
Die beiden wichtigsten Platinmetalle haben in den letzten Jahren ebenfalls erhebliche Kurssteigerungen zu verzeichnen gehabt, wobei die Notierungen, anders als beim Gold, innerhalb dieses Trends massiven Schwankungen unterlegen waren. Der Grund dafür ist, dass die Metalle sehr viel mehr als Gold und auch als Silber von der industriellen Nachfrage und damit von der Konjunkturentwicklung abhängig sind.
Pro Jahr werden von beiden Metallen zwischen 200 und 250 Tonnen Metall neu gefördert. Während Platin zu 60 Prozent aus Südafrika und erst an zweiter Stelle aus Russland kommt, ist es beim Palladium umgekehrt. Die Besonderheit beim Palladium ist, dass das silbrig-weiße Metall nur ein Beiprodukt bei der Ausbringung anderer Metalle ist – in Russland bei der Nickelproduktion, in Südafrika kommt das Palladium zusammen mit dem primär geförderten Platin an die Erdoberfläche.
Rhodium, Ruthenium und Iridium
Die sog. „kleinen“ Platinmetalle spielen als Anlagemetalle bisher kaum eine Rolle. Dies liegt vor allem an der mangelnden Verfügbarkeit von Investmentprodukten, teils aber auch an den starken und manchmal unberechenbaren Preisschwankungen. Dazu gibt es, anders als bei den vier Hauptedelmetallen, keinen hinreichenden Handel auf den internationalen Finanzmärkten, der für eine ausreichende Liquidität sorgen könnte.
Die drei Metalle werden als Beiprodukte bei der Produktion von Platin ausgebracht, fast 100 Prozent der Förderung kommen aus Südafrika. Die drei Platinmetalle sind äußerst selten, die Produktion liegt bei ca. 25 Tonnen im Fall von Rhodium und Ruthenium, von Iridium kommen jedes Jahr sogar nur vier Tonnen auf den Weltmarkt. Verglichen mit den vielfältigen industriellen Anwendungen für die Metalle ist dies der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.
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